Waagstraße 1

An dieser Stelle stand die erste Synagoge von Gunzenhausen. Im damaligen Sprachgebrauch war das die ‚Judenschul‘, da in dem Gebäude auch die jüdischen Kinder unterrichtet wurden.

Die folgenden Aufzeichnungen geben einen kurzen Einblick in die bewegte Geschichte der damaligen jüdischen Gemeinde.

1583

Erste Erwähnung einer Judenschul in der Waagstraße 1 in einer Bürgermeisteramtsrechnung

1588

Hannß Siegerle und Stephan Öttinger werden im Zusammenhang mit dieser Judenschul genannt.

1603 - 1616

Michael Egerer zahlt für diesen Ort Abgaben an die Stadt.

1609

Valtin Langdörfer wird als Besitzer erwähnt.

1628

Endres Rösch zahlt 15 Kreuzer ‚Herrengült‘ von seinem Haus bei der Judenschul.

1659-1660

Itzig und Marx Jud der Junge werden in Zusammenhang mit der Schul genannt.

1661

Hirsch Jud der Junge, des Rabbiners Sohn, wird als Bürger aufgenommen.

1663

Marx Jud der Ältere zahlt 6 Gulden Strafe wegen verübter Schlägerei in der Synagoge.

1670

54 Kreuzer Bußgeld zahlt Schwarz Hirsch, weil er in der Synagoge Injurien wider Rabbiner Hirschen in der Synagoge ausgestoßen hat.

1700

In einer Amtsrechnung werden Ausgaben von 2 fl 30 xr (2 Florin und 30 Kreuzer) genannt, um das Holz der abgebrochenen Judenschul zusammenzuschneiden.

1708

Der Rat sendet eine Bürgerabordnung zum Markgrafen nach Triesdorf, um sich gegen einen Synagogenneubau zu wenden.

1709

Entsendung einer weiteren Delegation

1718

Bau der neuen Synagoge in der Auergasse 3

 

Nach dem Abbruch der Judenschul wurde an diesem Platz ein Wohnhaus errichtet. Baujahr und Bauherr sind nicht bekannt.

Baujahr;

Im 18. Jahrhundert

Bauherr:

?

Besitzerwechsel:

1748 

An Frau Moses Jonas vulgo Göcker um 550 fl. verkauft
1762  Ererbt von Sohn Lazarus Moses
Nach 1804  Die Witwe von Jon Weißkopf
13.08.1824  Um 200 fl. an Sohn Hirsch Weißkopf, Handelsmann und Tochter Mina verkauft
  Nach dem Tod von Hirsch Weißkopf erbt das Haus seine Witwe Hanna zusammen mit einer Schwägerin
  Später wird das Haus an Amson Wertheimer  verkauft
05.02.1864 Um 925 fl. an Michael Strickstock, Schneider, verkauft
02.07.1885 Dessen Witwe Johanna Margaretha, geb. Neidmüller, übergeben
09.06.1891 Um 1.100 M an Maria Margaretha Honickel, geb. Hohenstein, verkauft
14.02.1905 Deren Witwer Johann Honickel übergeben
1905 An Anna Löchlein für 1.500 M verkauf
1907 Um 2.500 M an Johann und Maria Strobel verkauft
1907 An die Kinder übergeben
1952 Von der Stadtgemeinde um 1.500 DM erworben und abgerissen
heute Im Neubau befinden sich Arztpraxis und Anwaltskanzlei