Einführende Worte

Die Webseite jl-gunzenhausen.de ist aus einem Projekt von Schülern der Stephani-Mittelschule Gunzenhausen unter Federführung der Lehrerin Emmi Hetzner entstanden. Die Initiative ging vom damaligen Schulleiter Franz Müller aus. Das Know-how für die technische Umsetzung steuerte der Leiter der städtischen Abteilung IuK Horst Schäfer bei.

Die Schüler erforschten die jüdische Geschichte Gunzenhausens im Dritten Reich (1933-1945). Besonderes Augenmerk legten sie auf die Häuser, die von den jüdischen Familien verlassen werden mussten. Diese Häuser stehen fast ausnahmslos noch heute und werden zum Teil noch von den Familien bewohnt, deren Vorfahren sie damals erworben haben.

Um 1933 hatte Gunzenhausen ca. 5.000 Einwohner. Davon waren 184 Personen jüdischen Glaubens. Zusammen mit den jüdischen Bürgern der umliegenden Dörfer bildeten sie eine intakte jüdische Gemeinde mit Schule, Synagoge, Schächter, Rabbi und Friedhof.

Heute liegt die Betreuung der Webseite in der Obhut der Stadt Gunzenhausen. Ansprechpartner sind Ingeborg Herrmann, Leiterin der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Werner Mühlhäußer, Archivar und Horst Schäfer, Leiter der Stabsstelle IuK. Fachlicher Ansprechpartner ist Stadtarchivar Werner Mühlhäußer.

Die Seite wurde von Studenten der Hochschule Ansbach neu gestaltet (siehe hier) und auf den technisch neuesten Stand gebracht. Außerdem ist die Seite nun auch zweisprachig in deutscher und englischer Sprache nutzbar.

Gunzenhausen liegt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, Regierungsbezirk Mittelfranken, Bayern. Heute leben in Gunzenhausen rund 17.000 Menschen.

Jüdische Männer am Bahnhof von Gunzenhausen

Das harmonische Zusammenleben zwischen christlichen und jüdischen Bürgern endete mit dem Beginn des Hitlerregimes. Einen traurigen Höhepunkt erreichte die Hetzjagd auf Juden im November 1938, als nach der Reichspogromnacht alle jüdischen Männer zum Bahnhof beordert und nach Dachau transportiert wurden. Schon zwei Monate später erklärte sich Gunzenhausen ‚judenfrei‘.

Wenn wir heute durch unsere Stadt gehen und die z. T. wunderschönen Fassaden alter Häuser ansehen, fragen wir uns:

  • Wer mag dieses oder jenes Haus wohl gebaut haben?
  • Welche Menschen mögen darin gelebt haben?
  • Ob hier vielleicht eine jüdische Familie gewohnt hat?
  • Welche Schicksale diese Menschen wohl erlitten haben?
  • Ob die heutigen Bewohner noch etwas über sie wissen?

Plötzlich sehen wir unsere Stadt mit anderen Augen.

Wir suchen Spuren.
Und wir finden sie!

Wir suchen nach Menschen.
Und wir finden sie!

Wir lesen nach.
In der Reihe "Alt Gunzenhausen" finden wir Bilder und Berichte von Zeitgenossen.

Sehr interessant ist es für uns, im Stadtarchiv zu forschen. Die "Dokumentation jüdischen Lebens in Gunzenhausen", von Stadtarchivar Herrn Werner Mühlhäußer zusammengestellt, enthält Namen, Berufe und Adressen aller jüdischen Bewohner Gunzenhausens seit 1345. Auch kurze Familiengeschichten sind teilweise darin aufgezeichnet. Zusammen mit dem Häuserregister, ebenfalls aus dem Stadtarchiv, gelingt es uns, Verbindungen herzustellen und Zusammenhänge zu erkennen.
Wenn wir dann in Interviews mit älteren Mitbürgern Einzelheiten über die damalige Zeit erfahren, können wir sie oft schnell den entsprechenden Häusern und Familien zuordnen. Mit jeder Informationsquelle rundet sich ein Bild mehr und mehr.

Unterstützung erfuhren wir anfangs dankenswerterweise auch durch das Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, herauszufinden, wo und wie die Menschen heute leben, die damals gezwungen worden waren ihre Heimat zu verlassen. Per Brief und per E-Mail versuchen wir, Kontakt mit ihnen aufzunehmen.

Aber auch über Internet-Suchdienste hoffen wir noch weitere ehemalige Bewohner der Stadt zu finden. Doch viele haben sich inzwischen selbst bei uns gemeldet, nachdem sie die Geschichte ihrer Familie auf diesen Seiten gefunden hatten. Sie senden uns Informationen und Bilder zur Ergänzung und besuchen uns sogar in der Schule, nachdem sie vorher noch nie in der Stadt ihrer Vorfahren gewesen sind.

Wir führen diese Gäste gerne durch die Stadt und zeigen ihnen die Orte, die für ihre Eltern und Großeltern damals wichtig gewesen sind.

Unsere Fotogruppe nimmt von allen uns bekannten ehemaligen jüdischen Wohnhäusern Bilder auf, die dann zusammen mit allem, was wir zu deren Geschichte erforschen können ins Internet gestellt werden. Jeder, der unsere Berichte evtl. noch ergänzen kann, sollte bitte Kontakt mit uns aufnehmen. Wir freuen uns über jede Mitarbeit aus aller Welt.