Wir stellen uns vor

Wir sind Schüler der Klassen M 9 und M 10 der Stephani-Mittelschule in Gunzenhausen. Unsere Stadt hat heute ca. 16 000 Einwohner und liegt im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken, etwa 50 km südlich von Nürnberg.

In einer Arbeitsgemeinschaft erforschen wir die jüdische Geschichte Gunzenhausens im Dritten Reich (1933 – 1945). Besonders interessieren uns dabei die Häuser, die damals von ihren jüdischen Besitzern verlassen werden mussten. Sie stehen heute fast alle noch und sind z. T. auch noch von den Familien bewohnt, deren Vorfahren sie damals erworben haben.

Um 1933 hatte Gunzenhausen ca. 5 000 Einwohner, davon waren 184 Personen jüdischen Glaubens. Zusammen mit den jüdischen Bürgern einiger umliegender Dörfer bildeten sie eine intakte jüdische Gemeinde mit Schule, Synagoge, Schächter, Rabbi und Friedhof.

Jüdische Männer am Bahnhof von Gunzenhausen

Das harmonische Zusammenleben zwischen christlichen und jüdischen Bürgern endete mit dem Beginn des Hitlerregimes. Einen traurigen Höhepunkt erreichte die Hetzjagd auf Juden im November 1938, als nach der Reichspogromnacht alle jüdischen Männer zum Bahnhof beordert und nach Dachau transportiert wurden. Schon zwei Monate später erklärte sich Gunzenhausen ‚judenfrei‘.

Wenn wir heute durch unsere Stadt gehen und die z. T. wunderschönen Fassaden alter Häuser ansehen, fragen wir uns:

  • Wer mag dieses oder jenes Haus wohl gebaut haben?
  • Welche Menschen mögen darin gelebt haben?
  • Ob hier vielleicht eine jüdische Familie gewohnt hat?
  • Welche Schicksale diese Menschen wohl erlitten haben?
  • Ob die heutigen Bewohner noch etwas über sie wissen?

Plötzlich sehen wir unsere Stadt mit anderen Augen.

Wir suchen Spuren.
Und wir finden sie!

Wir suchen nach Menschen.
Und wir finden sie!

Wir lesen nach.
In der Reihe "Alt Gunzenhausen" finden wir Bilder und Berichte von Zeitgenossen. Besonders bewegt hat uns die Geschichte der Gunzenhäuser Synagoge.

Sehr aufregend ist es für uns, im Gunzenhäuser Stadtarchiv zu forschen. Die "Präsentation jüdischen Lebens in Gunzenhausen", von Stadtarchivar Herrn Werner Mühlhäußer zusammengestellt, enthält die Namen, Berufe und Adressen aller jüdischen Bewohner Gunzenhausens seit 1345. Auch viele Familiengeschichten sind darin aufgezeichnet.


Zusammen mit dem Häuserregister, ebenfalls aus dem Stadtarchiv, gelingt es uns, Verbindungen herzustellen und Zusammenhänge zu erkennen.

Wenn wir dann in Interviews mit älteren Mitbürgern Einzelheiten über die damalige Zeit erfahren, können wir sie oft schnell den entsprechenden Häusern und Familien zuordnen. Mit jeder Informationsquelle rundet sich ein Bild mehr und mehr.

Unterstützung erfahren wir dankenswerterweise auch durch das Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, herauszufinden, wo und wie die Menschen heute leben, die damals gezwungen waren ihre Heimat zu verlassen. Einige Adressen sind im Stadtarchiv hinterlegt. Per Brief und per E-Mail versuchen wir, Kontakt mit ihnen aufzunehmen.

Aber auch über Internet-Suchdienste hoffen wir noch weitere ehemalige Bewohner der Stadt zu finden. Doch viele haben sich inzwischen selbst bei uns gemeldet, nachdem sie die Geschichte ihrer Familie auf diesen Seiten gefunden hatten. Sie senden uns Informationen und Bilder zur Ergänzung und besuchen uns sogar in der Schule, nachdem sie vorher noch nie in der Stadt ihrer Vorfahren gewesen sind.

Wir führen diese Gäste gerne durch die Stadt und zeigen ihnen die Orte, die für ihre Eltern und Großeltern damals wichtig gewesen sind.

Unsere Fotogruppe nimmt von allen uns bekannten ehemaligen jüdischen Wohnhäusern Bilder auf, die dann zusammen mit allem, was wir zu deren Geschichte erforschen können ins Internet gestellt werden. Jeder, der unsere Berichte evtl. noch ergänzen kann, sollte bitte Kontakt mit uns aufnehmen. Wir freuen uns über jede Mitarbeit aus aller Welt.