Familie Leopold Guggenheimer

Leopold Guggenheimer wird am 18.03.1842 in Dittenheim als Sohn von Salomon Guggenheimer und dessen Ehefrau Hanna, geb. Schimmel geboren. Er heiratet Hanna Ansbacher * 12.8.1836 in Veitshöchheim.

Das Ehepaar hat vier Kinder:

  • Salomon * 28.02.1870 in Dittenheim
  • Simon * 21.04.1872 in Dittenheim
  • Josef * 30.09.1874 in Gunzenhausen
  • Amalie * 15.05.1877 in Gunzenhausen + 15.08.1877

Die Familie zieht nach Gunzenhausen und erwirbt 1874 die obere Hälfte des Hauses in der Kirchenstraße 14. Leopold ist als Schnittwarenhändler eingetragen.

Sohn Simon wird Arzt und heiratet am 15.08.1899 Regina Gutmann *27.02.1876 in der Burgstallstraße 5, Gunzenhausen. Sie ist die Cousine des später bekannt gewordenen Schriftstellers Jakob Wassermann.

Zunächst ist Simon Arzt in Dinkelsbühl, dann zieht die Familie nach Bad Neustadt/Saale, wo er von 1904 bis 1941 als Arzt praktiziert. Erst 1941 wandert die Familie nach Amerika aus.

Die beiden Ausweise stellte Herr Shimon Ansbacher aus Israel zur Verfügung.
Zur Stadtchronik von Neustadt/Saale teilte er am 1. September 2003 Folgendes mit:

Das Ende der jüdischen Gemeinde in Neustadt/Saale

... Im September 1939 wurden die noch verfügbaren 12 jüdischen Männer in Bad Neustadt (auch der 67-jährige Arzt Dr. Guggenheimer) von der Stadtverwaltung in der Ingebrandsiedlung zu Erdarbeiten, im Januar bei grimmiger Kälte zu Reinigungsarbeiten wie Straßenkehren und Entleeren von Dunggruben verpflichtet.
... Dr. Guggenheimer, der als allerletzter Jude (1941) noch über Cuba in die USA ausgewandert war, ... erhielt aber auch heimliche Geld- und Sachspenden. ... Am Weihnachtsfest 1940 war dem jüdischen Arzt ein Prachtband der Psalmen in deutscher Übersetzung zusammen mit einem Geldgeschenk übersandt worden. Der anonyme Absender schrieb dazu: 'Herzlicher Dank für alles Gute, was Sie als Arzt Ihren Patienten getan haben, besonders den kranken Christen, wird Ihnen hiermit ausgesprochen mit dem Wunsche gnadenreicher Feiertage und eines gottgesegneten neuen Jahres.'

Herr Shimon Ansbacher, der den Stammbaum der Familie Ansbacher erforscht und uns wertvolle Hinweise zur Familie Guggenheimer gab, erklärte den Vornamen Regina:
Regina (Ina) Gutmann, geboren 27. Feb. 1876 in Gunzenhausen. Vielleicht hatte Regina einen hebräischen Vornamen "Malka" da es üblich war jüdischen Kindern einen jüdischen Vornamen zu geben bald nach der Geburt.("Malka"hebräisch übersetzt "Königin" in deutsch. Ihr Vorname"Regina" wurde vielleicht nach diesem festgesetzt). Heiratete den Dr. Simon Guggenheimer am 15. Aug. 1899 in Gunzenhausen. Regina starb am 17. Feb. 1956 in New York.

Deren Kinder:

  • Siegfried * 09.06.1900 in Dinkelbühl
  • Martha * 23.07.1901 in Dinkelsbühl
  • Hildegard * 04.02.1905 in Neustadt a. d. Saale

Dr. Siegfried Guggenheimer und seine Schwester Martha Rosenfelder (geb. Guggenheimer) lebten später in der Bronx in New York.
Noch eine Bertha Stargardter (geboren um 1911, die in Long-Island, NY lebte) ist in einer anderen Quelle erwähnt. Reginas Vater war Elias Gutmann von Gunzenhausen.

Salomon Guggenheimer, der älteste Bruder von Simon, heiratet Johanna Rindsberg * 21.06.1876 in Neumarkt.
Das Ehepaar hat zwei Kinder:

Hedwig * 07.06.1899 in Gunzenhausen.
Sie heiratet 1923 den Kaufmann Emil Buxbaum aus Weilheim. Das Ehepaar lebt um 1939 in München in der Liebigstraße 28. Der u. a. Chronik entnehmen wir, dass das Ehepaar 1941 in Kaunas/Litauen ermordet worden ist.

Hedwig Buxbaum
© Stadtarchiv München

Theodor * 03.06.1901 in Gunzenhausen.  

Das Ehepaar erwirbt 1908 das Haus in der Gerberstraße 13 um 40 000 RM und betreibt dort ein Textilwarengeschäft. Als Textilkaufmann arbeitet der Bruder Josef mit in dem Geschäft.

Da Salomon schon mit 48 Jahren in Weißenburg verstirbt, führt offensichtlich Josef ab 1918 das Geschäft mit seiner Schwägerin Johanna. Doch 1924 stirbt auch sie. Zusammen mit dem Neffen Theodor betreibt Josef weiterhin das Textilgeschäft am "Guggenheimerseck"

Gerberstraße 13, "Guggenheimerseck" (linkes Eckhaus)
Gerberstraße 13, "Guggenheimerseck" (linkes Eckhaus), 1912. Aus "Gunzenhausen in alten Ansichten" von W. Lux

Theodor heiratet 1931 Alice Bernheimer * 01.11.1906 in Lauchheim. Das Ehepaar lebt in Gunzenhausen, doch schon im ersten Jahr der Hitlerdiktatur wird Theodor in "Schutzhaft" genommen. Wahrscheinlich ist dies der Grund, dass die Familie sehr früh die Stadt verlässt. Sie zieht 1935 nach Stuttgart in die Feuerleinstraße 5 und wandert von dort nach Amerika aus.

Am 16.02.1938 verkauft wahrscheinlich Josef Guggenheimer das Haus an Ernst Sedenbirner für 40.000 RM, also ebenso teuer, wie sie es 30 Jahre vorher erworben hatten.

Josef bleibt offensichtlich weiterhin in Gunzenhausen und erlebt hier auch die Reichskristallnacht mit. Daraufhin erst meldet er sich am 30. November 1938 nach München ab. Von dort wird er nach Minsk deportiert und gilt als verschollen.

Es ist hier der sehr seltene Fall, dass eine jüdische Familie ihr Haus zurückgefordert hat, denn 1951 geht es wieder in den Besitz von Theodor Guggenheimer über, der jedoch inzwischen in New York lebt.

Schon 1952 verstirbt er dort und seine Witwe Alice Guggenheimer erbt das Haus. Sie verkauft es allerdings schon 1953 an den Kaufmann Erich Hübner. Danach erlebt das Haus eine wechselvolle Geschichte, ist jedoch immer noch v.a. ein Geschäftshaus.