Familie Eisen Jacob

Die weitverzweigte Familie Eisen gehörte zu einer der ältesten Familien der Stadt, wie folgender Text aus dem Altmühl-Boten vom 18.10.1928 zeigt.

Der beliebte Kaufmann Jacob Eisen, geb. 1879 als Sohn des Handelsmannes Heymann Eisen und dessen Frau Jetta, geb. Schoen, heiratet 1906 Rosa Neumarck aus Ansbach.

Schon 1907 bauen sie das Haus in der Burgstallstraße 4 und führen dort ein Geschäft für Rohmaterialien. Viele Anzeigen aus den Zwanziger Jahren im Altmühl-Boten zeugen von einer regen Geschäftstätigkeit.

Inserat
Inserat
Josef & Berta Groß
Josef & Berta Groß

Am 1. August 1908 wird die Tochter Betty geboren. Sie berichtet heute (2001) über ihre Jugend in Gunzenhausen:
‚Ich habe nach der Schule einen Tanzkurs mitgemacht, alles war noch friedlich und freundschaftlich, bis Hitler ein Ende machte. Von heute auf morgen sahen uns unsere Freunde nicht mehr an, mein Vater ist einmal misshandelt worden und mit allen anderen jüdischen Männern über Nacht ins Gefängnis gebracht worden.’

1929 heiratet Betty Eisen den Kaufmann Max Rosenbaum und folgt ihm nach München. Als die Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger in Gunzenhausen zunehmen, übergibt Jacob Eisen im Dezember 1934 seine Kohlenhandlung an Ludwig Wucherer und am 18.12.1935 verkauft er das Anwesen Burgstallstraße 4 an einen Herrn Friedrich Lutz.

Im Gewerbeabmelderegister der Stadt Gunzenhausen fanden wir allerdings folgenden Eintrag:
"31.12.1937 – Jacob Eisen, München. Das bisher im Lager, General-Ludendorff-Str. 4 (Anmerkung: früher Burgstallstraße 4), betriebene Häute- und Fellgeschäft wird ab 31.12.1937 abgemeldet; (gez.) für J. Eisen, Josef Groß."

(Josef Groß war der Ehemann von Bertha, geb. Eisen, der Schwester Jacob Eisens. Er betrieb noch bis Januar 1938 in der Judengasse 1 eine Agentur der Viktoria-Feuerversicherung.) J. Eisen ist demzufolge noch bis 1937 in Gunzenhausen geschäftlich aktiv.

Jacob & Rosa Eisen
Jacob & Rosa Eisen
Familie Albert & Betty Rosenbaum
Familie Albert & Betty Rosenbaum

Schon am 16.03.1936 holt die Tochter Betty ihre Eltern endgültig zu sich nach München, in der Hoffnung, dass sie dort verschont bleiben würden. Das Ehepaar Jacob und Rosa Eisen bleibt in München und wird in das KZ Piasky deportiert, wo sie beide umkommen. Doch Bettys Mann Max Rosenbaum wird 1938 im KZ Dachau inhaftiert, allerdings 4 Wochen später wieder entlassen. Daraufhin flieht das Ehepaar im Dezember 1938 nach Amsterdam und wandert von dort per Schiff nach Amerika aus.

Betty Rosenbaum (heute)
Betty Rosenbaum (heute)

Karin Albert aus Gunzenhausen besuchte zusammen mit ihrer jüdischen Familie Betty Rosenbaum in einem Altersheim in Florida. Die Familie des Großvaters von Frau Albert, des Rechtsanwaltes Michael Amrhein (Burgstallstraße 7), lebte lange Zeit in direkter Nachbarschaft zu den Eisens, nämlich in der Burgstallstraße 2.
Frau Rosenbaum kann sich noch sehr gut an diese Zeit erinnern.


Max & Betty Rosenbaum (um 1940)
Max & Betty Rosenbaum (um 1940)

1971 siedeln beide nach Florida über, wo Max Rosenbaum 1981 stirbt. Betty und ihr Mann lassen sich in New York nieder, wo Frau Rosenbaum 13 Jahre bei der Stadtverwaltung arbeitet. Betty Rosenbaum war Anfang 2001 92 ½ Jahre alt und schrieb uns im Februar 2001 einen Brief. Darin berichtet sie, dass sie mit etlichen Gunzenhäuser Freunden, die damals auch ausgewandert seien, noch lange in Kontakt gewesen wäre, diese aber jetzt fast alle überlebt hätte.

"Vor kurzem ist Theodor Theilheimer gestorben, der in der selben Klasse mit mir die Schule besuchte; er war ein Genie und arbeitete in Amerika im Navy-department."

Von Betty erhielten wir auch das Foto von ihrer Abschlussklasse an der Realschule: 'Absolvia 1925'. Dies war der erste Jahrgang in Gunzenhausen, in dem an der früher den Knaben vorbehaltenen Realschule Mädchen zugelassen worden waren.

Die abgebildeten Entlassschüler von links oben: unbekannt, Fräulein Reichel (Marktplatz 5), Hans Büller, Josef Frei, Otto Hertlein, unbekannt, Bertl Honig (umgekommen im KZ), Unbekannt, Emma Rottenberger (Verlobte von Kurt Bär) Vordere Reihe von links: Else Lichtenststern, Heidi Sperl, Betty Eisen, Paul Hellmann. Feodor Theilheimer, Else Danner, Karl Minderlein, unbekannt

Obwohl Betty Rosenbaum 1982 einer Einladung der Stadt München gefolgt ist, hat sie Gunzenhausen nicht besucht. Trotzdem hält sie Kontakt zum Archivar der Stadt Gunzenhausen, Herrn Mühlhäußer, und hält ihn über ihr Leben auf dem Laufenden. Der heutige Besitzer des Hauses Burgstallstraße 4, Herr Bernhard Ebert, hat in der Burgstallstraße 4 ein Reisebüro eröffnet, das seinem Busunternehmen angegliedert ist.

Er berichtet, dass sein Vater während des Krieges dieses Haus sowie das Haus daneben, Burgstallstraße 6, von der Stadt gekauft habe, beide allerdings nach dem Krieg noch einmal habe bezahlen müssen. Da keine Unterlagen mehr auffindbar sind, weiß er weder von dem Vorbesitzer Friedrich Lutz etwas noch von der Familie Eisen.