Einleitung

Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts waren jüdische Bürger in unserer Stadt gemeldet. Im Laufe der Zeit hat sich daraus eine intakte jüdische Gemeinde entwickelt mit Synagoge (seit 1583), Schächter und Rabbi. Auch ein Friedhof wurde angelegt. Etwa gleichzeitig mit der Synagoge entstand die israelitische Schule. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die jüdische Volksschule gebaut, in der ein Lehrer alle Klassen unterrichtete.

Die Anzahl der jüdischen Bewohner nahm bis zur letzten Jahrhundertwende stetig zu, im Jahr 1895 erreichte sie ihre höchste Mitgliederzahl von 301 Gemeindegliedern. 1910 waren es noch 291, 1925 verzeichnete das Adressbuch der Stadt nur noch 219 und im Jahr 1933 wurden nur noch 184 gezählt, davon 33 Kinder. Gunzenhausen hatte im Jahr 1933 insgesamt etwa 5600 Einwohner.

Die Gründe für diese Abnahme sind uns unbekannt, können aber mit den schon in den Zwanziger Jahren beginnenden Repressalien gegen Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde zusammenhängen. Schon 1928 wurden Fenster der Synagoge eingeschlagen und im Dezember 1929 18 Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof umgestürzt und teilweise zertrümmert.

Zu diesem Zeitpunkt existieren drei jüdische Bankhäuser in der Stadt, eine jüdische Gastwirtschaft und ein Kaffeehaus. Zwei jüdische Ärzte praktizieren, ein Allgemeinarzt und ein Zahnarzt. Überwiegend sind aber Handelsleute gemeldet, kaum Handwerker. Der Rabbi kommt von Ansbach und betreut die Gemeinde mit. In dem Haus am Hafnermarkt 13 ist ein Ritualbad (Mikwe) vorhanden.

Am 25. März 1934, dem Palmsonntag, findet das erste Pogrom statt, bei dem zwei jüdische Mitbürger den Tod finden. Im Juli 1934 wird der jüdische Gastwirt erschossen.

Daraufhin ziehen die ersten Familien weg aus dieser Stadt. Sie alle suchen zunächst Zuflucht in einer Großstadt. Besonders viele melden sich nach Nürnberg, München, Stuttgart oder Frankfurt ab. Erst Jahre später verlassen sie dann auch das Land.

1933 schließen zwei jüdische Geschäfte, 1934 sind es sechs und bis 1938 noch weitere zwölf.

Am 9. November 1938 zählt die Stadt nur noch 56 jüdische Bürger und am 26. Januar 1939 wird sie als ‚judenfrei’ gemeldet.

Es sind 92 jüdische Mitbürger, die dem Grauen des Dritten Reiches zum Opfer fallen.
Die Überlebenden sind in die verschiedensten Länder der Welt emigriert.

Bis heute hat sich kein jüdischer Bürger mehr in Gunzenhausen niedergelassen.

Aus den von der Jerusalemer Gedenkstätte
"Jad waSchem" gesammelten Aufzeichnungen über jüdische Gemeinden in Europa
(Pinkas haKehillot), Bayern, Mittelfranken, S. 288 - 293

Aus dem Hebräischen übersetzt von Dr. Dafna Mach, Jerusalem

Bevölkerungsstatistik

Jahr Einwohnerzahl davon Juden in Prozent
1714 --- 28 (Familien) ---
1755 --- 55 (Familien) ---
1809/10 2189 235 (Personen) 10,7 %
1811/12 2030 197 9,7 %
1837 2600 270 10,4 %
1867 3254 170 5,2 %
1880 3755 260 6,9 %
1890 3853 291 7,5 %
1900 4503 284 6,3 %
1910 5278 291 5,5 %
1925 5424 219 4,0 %
1933 5608 184 3,3 %
01.01.1935 --- 150  
01.01.1937 --- 101  
09.11.1938 --- 53  
01.01.1939 --- 3  
25.01.1939 --- 2  
26.01.1939 --- 0  

Prozentuale Konfessionszugehörigkeit 1933

Protestanten Katholiken Juden Sonstige
81,9 % 14,6 % 3,3 % 0,2 %