Familie Salomon Bernhard Bing

Der Hopfenhändler Salomon Bernhard Bing *1818 in Windsdorf, war Färber in Memmelsdorf, wo seine vier Kinder aus erster Ehe geboren werden.
Die Kinder von Salomon Bing und Babette Tuchmann waren:

  • Ida Bing *18.02.1838 in Memmelsdorf. Sie war mit Heinrich Ottenstein verheiratet. Das Ehepaar lebte zunächst in Gunzenhausen.
  • Ignaz Bing *29.01.1840 in Memmelsdorf. Er war mit Ida Ottenstein verheiratet und führte in Nürnberg die zeitweise größte Spielwarenfabrik der Welt.
  • Adolf Bing *18.02.1842 in Memmelsdorf. Er führte zusammen mit seinem Bruder Ignaz die Fabrik in Nürnberg.
  • Berthold Bing *04.02.1844 in Memmelsdorf. Er wohnte mit seiner Frau Fanny, geb. Schuler, in der Bahnhofstraße 11, später am Dr.-Heinrich-Eidam-Platz 14. Von den acht Kindern des Ehepaares kommt die Tochter Louise, geb. 08.04.1880, im Lager Kaunas, Litauen, zusammen mit ihrem Mann Henri Goldstein ums Leben.

© Tales From My Life - Memoirs of a merchant and cave explorer in Germany 1840 - 1918, 2013 by Carolin Sommer. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Carolin Sommer


Die Kinder aus der zweiten Ehe von Salomon Bing waren:

  • Antonia
  • Josephine
  • Marie
  • Heinrich
  • Oscar
  • Edmund
  • Bernhard

Leider sind uns weder der Name seiner zweiten Frau, noch die Geburtsdaten dieser Kinder bekannt. Doch die fünf Jüngsten sind in Gunzenhausen geboren.

Von den Nachkommen Ignaz Bings aus London erhielten wir den Hinweis auf sein Buch „Aus meinem Leben“, das er 1917 seiner Sekretärin diktiert hatte. Daraus stammen kurz gefasst folgende Informationen:

Vater Salomon Bing, der eigentlich Färber war, beginnt nach seinem Wegzug aus Memmelsdorf in Gunzenhausen einen Hopfenhandel. Fünf weitere Kinder werden hier geboren, so dass Ignaz und seine Geschwister schon in ganz jungen Jahren für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen müssen. Ignaz lernt in verschiedenen Städten und Betrieben den Beruf des Kaufmanns.

1864 gründet er zusammen mit seinem Bruder Adolf in Gunzenhausen ein Engrosgeschäft für Garn- Band- und Kurzwaren.

Er dichtet gern und schreibt für den örtlichen Liederkranz einen preisgekrönten ‚Sängergruß’.

Da er mit vielen Geschäftsleuten der Stadt verkehrt, stellt er 1864 den Antrag auf Aufnahme in die Casino-Gesellschaft. Juden waren dort allerdings noch nie als Mitglied zugelassen gewesen, und so wurde auch sein Antrag abgelehnt, allerdings sehr knapp mit 7 zu 6 Stimmen.

Besonders dagegen soll ein Landrichter gewesen sein, der Enkel des Dichters Jean Paul. Dieser lebte in Gunzenhausen und bot im Amtsblatt immer wieder die Bücher seines Großvaters an, die er als Erbmasse noch vorrätig hatte. Sein Nachname war sehr wahrscheinlich Hake, mehr ist uns von ihm nicht bekannt.

Ignaz Bing veröffentlichte nach dieser Ablehnung im Gunzenhauser Amtsblatt Epigramme - ‚Neue Sprüche des Demokritos’ z.B.

Wohl der tut gut, der suchet zu verkaufen
Was ihm nicht frommt, was er nicht fassen kann.
Wollt Ihr erwerben Jean Paul’s Meisterwerke,
Fürwahr, ich weiß Euch wohl den rechten Mann.
Bei dem könnt Ihr sie neu und äußerst billig haben,
Was will, der selbst nichts denkt, mit eines Dichters Gaben?

„Die ganze Stadt lachte.“

Ignaz und Adolf Bing übersiedeln daraufhin 1865 mit ihrer Firma nach Nürnberg in die Karolinenstraße.

1866 erweitern sie auf Metall- und Galanteriewaren.
1879 ist es die ‚Nürnberger Metallwarenfabrik Gebrüder Bing’
1880 haben sie eine eigene Blechspielwarenherstellung
1906 hat die Firma 8000 Mitarbeiter und ist die größte Spielwarenfabrik der Welt.
1920 arbeiten bei Bing in vier großen Fabriken an die 16.000 Menschen

Jedes Jahr wird ein Katalog mit den Erzeugnissen der Firma herausgegeben, der nahezu 1000 Seiten umfasst.

Am 11. Mai 1869 hatte Ignaz Bing die Tochter des jüdischen Lehrers von Gunzenhausen geheiratet, Ida Ottenstein. Ihre sechs Kinder waren Anna, Bertha, Frieda, Marie, Siegmund und Stephan.

Bing-Familie um 1910 © Verlag Marianne Cieslik: Ignaz Bing "Aus meinem Leben" , 2004 Jülich, mit freundlicher Genehmigung des Verlages Marianne Cieslik.
Bing-Familie um 1910 © Verlag Marianne Cieslik: Ignaz Bing "Aus meinem Leben" , 2004 Jülich, mit freundlicher Genehmigung des Verlages Marianne Cieslik.

© Verlag Marianne Cieslik: Ignaz Bing "Aus meinem Leben" , 2004 Jülich, mit freundlicher Genehmigung des Verlages Marianne Cieslik.


Als begeisterter Naturforscher entdeckte er 1905 in der Fränkischen Schweiz bei Streitberg eine neue Tropfsteinhöhle und nannte sie Bing-Höhle. 1908 ließ sich sogar der bayerisch Kronprinz Ludwig von ihm durch die begehbar gemachte Höhle führen. Man kann sie noch heute besuchen.

1918 stirbt Ignaz Bing in Nürnberg.

Der jüngste Sohn Stephan übernimmt 1919 die Firma und führt sie zunächst sehr erfolgreich weiter. Als Konstrukteur von Eisenbahnen macht er sich einen Namen, doch schon 1927 verlässt er die Firma und schließt sich dem Unternehmen ‚Trix’ an. So hat er den Untergang des Bing-Imperiums zwei Jahre später nicht zu verantworten, das von der Weltwirtschaftskrise in den Konkurs gestürzt wird.

1938 verlässt er Deutschland und siedelt mit seiner Familie nach England über, wo er rechtzeitig die Firma ‚Trix Limited’ gegründet hatte.

Die Firma Bing erholt sich nicht mehr. Sie wird völlig zerschlagen.

Bing-Vergaser für Firmen wie Triumph, Zündapp, BMW, Auto-Union oder Hercules werden allerdings heute noch von «Bing PowerSystems» hergestellt. Eine Bamberger Firma vertreibt nach wie vor Bing-Spielwaren.

Emil Bing, dessen verwandtschaftliche Beziehung zu der o. g. Familie wir nicht herausfinden konnten, war ebenfalls Unternehmer in Gunzenhausen. Als Ingenieur meldete er im Januar 1902 zum ersten Mal in Gunzenhausen ein Gewerbe an: eine Maschinenfabrik in der Hensoltstraße 13. Doch schon im November 1902 brennen Maschinenwerkstätte samt Dampfkesselhaus, Maschinenremise und Pferdestall gänzlich ab.

Daraufhin siedelt Emil Bing mit seiner Firma in die Nürnberger Straße 58 um. Das Gelände dort hatte er um 11.598 Mark erworben. Von 1903 bis 1914 baut und erweitert er ständig die Maschinenfabrik Bing. Unter anderem ist der Bau einer Dampfsäge, von Feuerungsanlagen, Lagerschuppen und einer eisernen Gerätehalle verzeichnet.

Im Jahr 1916 verkauft er jedoch die ganze Firma um 90.000 Mark an Sigmund Bergmann. Es ist unbekannt, wohin Emil Bing anschließend gezogen ist.

Diese Firmenschilder der 'Maschinenfabrik Bing' befinden sich auf landwirtschaftlichen Geräten im Museum Amslinger in Muhr am See.